Ratgeber

Salz ist nicht gleich Salz

Warum ich meinen Leserinnen das Salzen nicht verbiete — und trotzdem sehr genau hinschaue, welches Salz in den Streuer kommt

Grobes Ursalz in einer Keramikschale mit Salzmühle, dazu Pellkartoffeln und ein Ei

Warum ich meinen Leserinnen das Salzen nicht verbiete — und trotzdem sehr genau hinschaue, welches Salz in den Streuer kommt

Salzarm essen, das gilt seit Jahrzehnten als vernünftig — «wegen dem Wasser». Ich sehe es anders, und ich schreibe es seit meinem ersten Buch: Mit den richtigen Speisekombinationen kann der Körper loslassen, trotz normalen Salz- und Fettkonsums. Du wirst staunen, wie schnell das Wasser aus den Gelenken verschwindet, und zwar auf ganz natürliche Weise. Nicht das Salz allein ist das Problem. Es ist die Säure.

Die Kurzfassung: Salz gehört auf den Teller, in normaler Menge. Aber es soll ein Ur- oder Steinsalz sein, das seine Mineralien und Spurenelemente noch hat — nicht das raffinierte Kochsalz aus dem Kilo-Paket. Und Salz ist kein Grund, das Trinken zu vergessen.

Salz allein hält kein Wasser zurück

«Salz allein produziert keine Ödeme» — so steht der Merksatz in meinem Buch. In unserem Blut kreisen ständig etwa sechs Gramm Kochsalz, und an dieser Menge hält der Körper eisern fest. Verarbeitet werden am Tag aber dreissig bis vierzig Gramm. Der Körper reagiert auf beides, auf Mangel und auf Überfluss: Bei Mangel erteilt er den Nieren Ausfuhrverbot, das Salz wird festgehalten. Bei einem Zuviel meldet er Durst, damit die Konzentration verdünnt und der Überschuss ausgeschieden werden kann. Ein gesundes System, solange man ihm Wasser gibt.

Wasser hält der Körper aus einem anderen Grund zurück: um Säuren zu verdünnen, die er nicht loswird. Wer im Säureüberschuss lebt, hält Wasser — mit und ohne Salz. Wer die Balance wieder hat, muss kein Wasser mehr zur Verdünnung bunkern, und die Nieren lassen los. Ich habe es oft erlebt, wie schnell das geht, und zwar bei ganz normalem Salzkonsum. Deshalb steht bei mir in der Einkaufsliste kein «salzarm», sondern «Ur- oder Steinsalz statt raffiniertes Kochsalz».

Unser Magen ist eine Säure- und Basenfabrik

Der Grund, weshalb ich Salz nicht streiche, liegt im Magen. Seine Belegzellen zerlegen das Kochsalz in seine Bestandteile. Aus Chlor und Wasserstoff wird Salzsäure, die das Eiweiss aufspaltet. Aus Natrium, Wasserstoff, Kohlenstoff und Sauerstoff wird basisches Natriumbicarbonat — und davon entsteht mehr als von der Säure: Auf ein Gramm Salzsäure kommen 2,3 Gramm Natriumbicarbonat. Dieses Bicarbonat bindet die Säuren, die im Körper anfallen, damit sie über Darm, Nieren, Haut und Atmung ausgeschieden werden können. Nur der Magen kann es herstellen. Und er braucht dafür Salz.

Genau diese Tatsache hat mich vor Jahren dazu gebracht, Käse, Eier, Fleisch und Fisch immer mit basischen Lebensmitteln zu kombinieren und nie mit Brot, Teigwaren oder Reis. Wer beides gleichzeitig isst, lässt den Magen zweimal Säure produzieren — einmal für das Eiweiss, zwei bis drei Stunden später nochmals, um Bicarbonat für die Neutralisation nachzuliefern. Die Salzsäure, die dabei übrig bleibt, kennt jeder, der schon einmal sauer aufgestossen hat. Wie ich kombiniere, steht im Artikel Lebensmittel richtig kombinieren.

Was im Kochsalz fehlt

Salz ist nicht gleich Salz — das ist der zweite Punkt, und er entscheidet, welches Paket du kaufst. Kochsalz ist eine einfache chemische Verbindung von Natrium und Chlor — mehr bleibt nach der Raffination nicht übrig. Ursalz — Himalaya-Salz, Steinsalz — enthält noch alle Mineralien und Spurenelemente, die im Salz von Natur aus stecken. Es ist Salz, wie es aus dem Berg kommt, gemahlen und sonst nichts.

Das ist keine Kleinigkeit, wenn man meine Methode versteht: Der Körper braucht basische Mineralstoffe, um Säuren abzupuffern. Bekommt er sie nicht, holt er sie aus den eigenen Depots. Jedes Lebensmittel, das seine Mineralien noch hat, ist deshalb ein Gewinn, und jedes, dem sie genommen wurden, eine Belastung. Beim Zucker ist es dieselbe Geschichte — ich habe sie im Artikel Süsse Früchte versus Industriezucker beschrieben.

In meiner Küche stehen deshalb: ein Ur- oder Steinsalz zum Kochen, ein Meergewürzsalz oder ein Kräutersalz zum Würzen, und für Gemüsebrühe eine Bio-Brühe, die ohne Geschmacksverstärker auskommt. Fertige Gewürzmischungen, Saucen und Suppenpulver lese ich immer zuerst im Kleingedruckten: Da versteckt sich neben Salz oft Zucker, dazu E-Nummern. Und Nüsse und Mandeln kaufe ich ungesalzen und geschält.

Was man mir entgegenhält

Die Ernährungswissenschaft sagt: Zu viel Salz ist ungünstig, die Empfehlung liegt bei rund fünf Gramm am Tag, und ob Himalaya- oder Kochsalz, ist chemisch fast egal — die Mineralstoffmengen im Ursalz sind so klein, dass sie ernährungsphysiologisch kaum ins Gewicht fallen.

Ich sage: Salz allein hält kein Wasser zurück. Der Körper hält Wasser zurück, um Säuren zu verdünnen — und in der Säure-Basen-Balance lassen die Nieren los, bei normalem Salzkonsum. Und zum Ursalz: Es enthält noch alle Mineralien und Spurenelemente. Ich gebe dem Körper lieber das Ganze als den Rest, der nach der Raffination übrig bleibt. Dasselbe Prinzip gilt bei mir für Zucker, Öle und Mehl.

Dein erster Schritt

Nimm heute das Kochsalz aus dem Schrank und kauf ein Ur- oder Steinsalz, fein gemahlen für den Streuer, grob für die Mühle. Salze deine Kartoffeln, dein Ei und deinen Salat damit ganz normal. Und stell ein grosses Glas Wasser daneben — das ist der Teil, den die meisten vergessen.

Häufige Fragen

Macht Salz dick oder hält es Wasser zurück? Nicht das Salz allein. Der Körper hält Wasser zurück, um Säuren zu verdünnen. In der Säure-Basen-Balance lassen die Nieren los, auch bei normalem Salzkonsum.

Welches Salz empfiehlt Jacky Gehring? Ur- oder Steinsalz, zum Beispiel Himalaya-Salz, weil es seine Mineralien und Spurenelemente noch hat. Raffiniertes Kochsalz ist nur noch eine Verbindung von Natrium und Chlor.

Darf ich bei BodyReset normal salzen? Ja. Ich verbiete das Salzen nicht — der Magen braucht Salz, um Säure und basisches Natriumbicarbonat herzustellen. Weglassen sollst du Fertigprodukte, in denen das meiste Salz versteckt ist.

Ist Meersalz besser als Kochsalz? Ein naturbelassenes Meersalz ist besser als raffiniertes Kochsalz. Ich verwende für den Alltag Ur- oder Steinsalz und zum Würzen ein Meergewürzsalz.


Quellen: Jacky Gehring, «BodyReset – Das Erfolgsprogramm», Mineralstoffe (S. 34), normaler Salzkonsum (S. 36), Salz allein produziert keine Ödeme (S. 52), Unser Magen ist eine Säure- und Basenfabrik (S. 53), Ursalz-Hinweis (S. 53), Zutaten für die Küche (S. 76–78), Fertigprodukte (S. 78, 115).

Die ganze Einkaufsliste mit allen Alternativen steht im Erfolgsprogramm. Wie Salz und Eiweiss zusammenhängen: Lebensmittel richtig kombinieren. Warum der Zucker dieselbe Geschichte hat: Süsse Früchte versus Industriezucker. Wie du anfängst: Die ersten 14 Tage.