Nicht weniger essen, sondern clever kombinieren — und warum Kalorienzählen für mich sinnlos ist
Ich sehe es seit dreissig Jahren, in meinem Institut und in den Briefen, die mich erreichen: Menschen, die alles richtig machen wollen. Grüner Salat mit ein paar Tropfen Öl. Mageres Poulet. Vollkornteigwaren, Magerquark, Lightjoghurt. Und dann stehen sie auf der Waage und verstehen die Welt nicht mehr.
Ich verstehe sie. Denn ausser dem Salat und den paar Tropfen Öl ist auf diesem Teller alles sauer im Stoffwechsel. Da hilft kein Verzicht. Es liegt nicht an der Menge. Es liegt an der Kombination.
Fett macht satt, aber nicht dick
Das ist der Satz, den mir am Anfang niemand glauben wollte. Er stimmt — unter einer Bedingung: Fett darf nicht zusammen mit konzentrierten Kohlenhydraten auf den Teller.
Was heisst konzentriert? Ich ziehe die Grenze bei 15 Prozent. Enthält ein Lebensmittel mehr als 15 Gramm Kohlenhydrate auf 100 Gramm, nenne ich es konzentriert. Das sind Zucker, Reis, Brot, Teigwaren, Mais, Hülsenfrüchte, Dörrfrüchte. Liegt es darunter, ist es ein einfaches Kohlenhydrat: Kartoffeln, Bananen, süsse Früchte, grüne Blattsalate, basisches Gemüse.
Und jetzt die gute Nachricht, die ich in meinem Buch so formuliert habe: Fett darf mit einfachen Kohlenhydraten kombiniert werden. Butter zu den Kartoffeln. Sahne zur Banane. Rahmsauce zum Fisch. Nicht trotz der Figur, sondern ihretwegen.
Was das auf dem Teller heisst
Damit du siehst, was ich meine, zwei Beispiele aus meinem Buch. Ich habe sie bewusst so gewählt, dass sie nach Verbot klingen.
Erstens: Fischfilet an Rahmsauce, Petersilienkartoffeln und Brokkoli mit gerösteten Pinienkernen. Zweitens: Fruchtsalat aus Banane und Melone, dazu Schlagsahne, garniert mit Mandelsplittern.
Beides sind Gerichte, mit denen meine Anwenderinnen und Anwender schlanker werden. Nicht, weil sie wenig davon essen. Sondern weil Kartoffel, Banane und Melone einfache Kohlenhydrate sind und das Fett dazugehören darf.
Der Fahrplan, den ich im Kochbuch beschreibe, ist einfach: Am Morgen ein bis zwei Fruchtsorten, mit oder ohne Eiweiss. Am Mittag ein bis zwei Salatsorten und eine deftige Kartoffelspeise. Am Abend ein bis zwei Gemüsesorten oder eine Suppe. Eiweiss — Ei, Käse, Fisch, Fleisch — passt zu jeder dieser Mahlzeiten dazu.
Warum die Kombination entscheidet, nicht die Menge
Meine Begründung ist seit dem ersten Buch dieselbe. Je mehr Kohlenhydrate ein Lebensmittel enthält, desto stärker steigt der Blutzucker nach dem Essen, und desto mehr Insulin braucht der Körper, um ihn wieder zu senken. Essen wir konzentrierte Kohlenhydrate ohne Fett — der Figur zuliebe —, sinkt der Blutzucker danach in den Keller, und der Heisshunger kommt. Essen wir sie mit Fett, entsteht daraus Reserve. Beides ist ungünstig.
Einfache Kohlenhydrate wie Kartoffeln und Bananen verhalten sich anders: In Kombination mit Fett steigt der Blutzucker nur wenig, und man ist drei bis vier Stunden satt. Das ist der ganze Trick. Nur wer satt ist, hat keine Fressanfälle.
Deshalb ist Kalorienzählen für mich sinnlos. Eine Kalorie sagt nichts darüber, was der Körper mit ihr macht.
Was die anderen sagen — und was ich dazu sage
Ich bin mit meiner Regel nicht allein auf weiter Flur, aber ich stehe quer zu zwei bekannten Lehren, und das will ich offen benennen.
Die Trennkost nach Hay trennt Eiweiss von Kohlenhydraten und erlaubt Fett zu beidem. Ich trenne etwas anderes: konzentrierte von einfachen Kohlenhydraten. Eiweiss und Fett dürfen bei mir zusammen — das Rührei mit Sahne ist ein Frühstück, das ich täglich empfehle. Ich kenne Menschen, die mit Trennkost abgenommen haben, und andere, die zugenommen haben. Das lag meist nicht am Eiweiss.
Der glykämische Index stuft Kartoffeln, Karotten, Bananen und Melonen als ungünstig ein — alles Lebensmittel, die bei mir im Zentrum stehen. Das hat viele verunsichert, die mein Buch kannten. Ich habe nie daran geglaubt, und zwar aus einem einfachen Grund: Der Index misst die Reaktion auf 50 Gramm Kohlenhydrate, nicht auf 50 Gramm Lebensmittel. Um mit Karotten auf 50 Gramm Kohlenhydrate zu kommen, müsstest du fast 700 Gramm davon essen. Mit Weissbrot reichen 104 Gramm. Jahre später wurde die glykämische Last erfunden, die genau das berücksichtigt — und plötzlich waren meine Kartoffeln und Karotten im grünen Bereich. Man kann etwas unglaublich kompliziert machen, auch wenn es einfach geht.
Und ja: Die Ernährungswissenschaft sieht die Sache mit Säuren und Basen mehrheitlich anders als ich. Ich habe meine Methode nicht im Labor entwickelt, sondern zwanzig Jahre lang mit Menschen. Was ich weiss, weiss ich aus der Beobachtung. Wer mir nicht glauben will, soll es vierzehn Tage ausprobieren. Spätestens dann erkennen auch die grössten Skeptiker, ob es funktioniert.
Dein erster Schritt
Du musst nicht alles auf einmal umstellen. Fang mit der Regel an, die am meisten bewirkt:
Vierzehn Tage keine konzentrierten Kohlenhydrate. Kein Brot, keine Teigwaren, kein Reis, kein Zucker. Dafür Kartoffeln in jeder Form, Bananen, Früchte, Salat, Gemüse, und dazu so viel Eiweiss und Fett, dass du satt bist.
Und vergiss die Butter zu den Kartoffeln nicht. Und die Sahne zur Banane. Ich meine das ernst — ohne Fett bist du in zwei Stunden wieder hungrig. Wer abnehmen möchte, isst die Kartoffelspeise eher am Mittag und hält sich abends mit dem Fett zurück. Aber hungrig ins Bett gehen? Nie.
Iss dich satt. Das ist keine Diät. Das ist die Zauberformel.
Häufige Fragen
Was heisst «richtig kombinieren» bei BodyReset? Fett gehört zu einfachen Kohlenhydraten (Kartoffeln, Bananen, süsse Früchte, Salat, Gemüse) und zu Eiweiss — aber nicht zu konzentrierten Kohlenhydraten wie Brot, Teigwaren, Reis und Zucker. Das ist die ganze Regel.
Wo liegt die Grenze zwischen einfachen und konzentrierten Kohlenhydraten? Bei 15 Gramm Kohlenhydraten auf 100 Gramm. Kartoffeln liegen mit rund 15 % gerade noch darunter, Brot mit 48 % weit darüber.
Ist das dasselbe wie Trennkost? Nein. Die Trennkost trennt Eiweiss von Kohlenhydraten. Ich trenne konzentrierte von einfachen Kohlenhydraten — Eiweiss und Fett dürfen bei mir zusammen auf den Teller.
Quellen: Jacky Gehring, «BodyReset – Das Erfolgsprogramm», Grundregel 1 und 2 (S. 42–46), glykämischer Index und glykämische Last (S. 46–48), Trennkost (S. 44–45), Heisshunger (S. 80–81). «BodyReset – Das Kochbuch», Ernährungsfahrplan und Proteine (S. 18–19, 24).
Die Grundlagen der Methode, die Säure-Basen-Tabelle und der 14-Tage-Menüplan stehen im Erfolgsprogramm. Die Rezepte dazu im Kochbuch. Welche Lebensmittel ich als basisch und welche als säurebildend einordne, steht im Artikel Basische und säurebildende Lebensmittel; warum die Kartoffel bei mir die Hauptrolle spielt, im Artikel Kartoffeln statt Nudeln. Wie du anfängst: So startest du.
