Ratgeber

Süsse Früchte versus Industriezucker

Warum ich Zucker aus der Küche verbanne, aber jeden Morgen Frucht mit Sahne esse — und weshalb Süssstoff bei mir schlechter wegkommt als Honig

Banane und Birne mit Sahne und Mandelsplittern in einer Keramikschale

Warum ich Zucker aus der Küche verbanne, aber jeden Morgen Frucht mit Sahne esse — und weshalb Süssstoff bei mir schlechter wegkommt als Honig

«Aber Früchte haben doch auch Zucker.» Diesen Satz höre ich, seit ich Bücher schreibe, und er stimmt sogar. Trotzdem steht bei mir jeden Morgen eine Banane oder eine Birne mit Sahne auf dem Tisch, und der Zuckerstreuer ist aus der Küche verschwunden. Der Unterschied ist nicht die Süsse. Der Unterschied ist, was mit der Süsse mitkommt — und was der Körper daraus macht.

Die Kurzfassung: Raffinierter Zucker ist das am stärksten konzentrierte Kohlenhydrat, das es gibt, hundert Gramm Zucker sind hundert Gramm Kohlenhydrate, und er bringt nichts mit, was der Körper zum Verarbeiten brauchen könnte. Eine reife Frucht bringt ihren Zucker zusammen mit Wasser, Mineralien, Vitaminen und Enzymen — und liegt mit ihrem Kohlenhydratgehalt unter meiner 15-Prozent-Grenze. Deshalb ist sie bei mir ein einfaches Kohlenhydrat, das mit Fett kombiniert werden darf. Zucker ist es nicht.

Zuckersüss und trotzdem sauer

Mutter Natur hat uns das Zuckerrohr geschenkt, mit Mineralstoffen, Vitaminen, Chlorophyll und Spurenelementen. Bevor daraus der weisse, makellose Haushaltszucker wird, passiert Folgendes: Das Rohr wird mit Kreidemilch erhitzt, um Zucker und Kalzium zu entziehen — dabei gehen die Vitamine verloren. Dann wird der Zucker mit Kalk, Kohlensäure, Schwefeldioxid und Natriumkarbonat aufbereitet — jetzt sind auch die Spurenelemente weg. Was bleibt, ist eine hoch konzentrierte, tote Kohlenhydratmasse. Ich nenne sie im Buch so, und ich stehe dazu. Brauner Zucker ist übrigens nichts anderes, nur gefärbt; einzig Vollrohr-Rohzucker enthält noch Vitalstoffe.

Warum das für meine Methode wichtig ist: Raffinierter Zucker ist der grösste Mineralstoffräuber. Er schmeckt süss, aber im Stoffwechsel ist er absolut sauer. Um ihn zu verarbeiten und die entstehenden Säuren abzupuffern, braucht der Körper basische Mineralstoffe — und der Zucker liefert keine. Also holt sie der Körper aus den eigenen Depots. Beim Salz ist es dieselbe Geschichte, ich habe sie im Artikel Salz ist nicht gleich Salz beschrieben.

Heisshunger kommt vom Zucker, nicht vom Hunger

Je konzentrierter ein Kohlenhydrat, desto schneller steigt der Blutzucker. Die Bauchspeicheldrüse produziert Insulin, der Zucker wird abgebaut, der Spiegel fällt — und zwar tiefer, als er vorher war. Wir werden müde und bekommen Heisshunger auf Süsses. Das ist die Schaukel, auf der die meisten Diäten scheitern: Das Gipfeli am Morgen ruft um zehn Uhr nach dem nächsten.

Süsse Früchte, insbesondere Bananen, lassen den Blutzucker in Kombination mit Sahne nur wenig ansteigen, und du bist drei bis vier Stunden satt. Das Fett ist dabei kein Fehler, sondern der Trick: Es bremst die Aufnahme. Deshalb sage ich seit dreissig Jahren «Frucht mit Sahne» und nicht «Frucht pur». Wie das Frühstück konkret aussieht, steht im Artikel Basisches Frühstück.

Und der Süssstoff? Weit gefehlt, wer glaubt, er sei der problemlose Ersatz. Der Geschmack «süss» im Gaumen bedeutet für den Organismus immer Zucker. Vorsorglich beginnt die Bauchspeicheldrüse, Insulin zu produzieren. Da aber kein Zucker kommt, baut der Körper den vorhandenen Zucker im Blut ab, der Spiegel sinkt — und der Heisshunger ist da, ohne dass man auch nur ein Gramm gegessen hätte. Light-Getränke sind für mich deshalb keine Getränke; im Artikel Richtig trinken erkläre ich, was stattdessen zählt.

Was auf den Teller kommt

Früchte, ja — aber die richtigen zur richtigen Zeit. In den ersten 14 Tagen nur die süssen, basischen: reife Äpfel, Birnen, Bananen, Honig- und Wassermelone, Papaya, frische Feigen. Immer geschält und entkernt, in Bio-Qualität. Beeren, Trauben, Kiwi, Mango, Zitrusfrüchte kommen später, wenn der Körper ihre Fruchtsäuren wieder abpuffern kann. Früchte gehören bei mir an den Morgen und als Zwischenmahlzeit, nicht als Dessert nach einem Eiweissgericht.

Zum Süssen, wenn es sein muss: Birnen- oder Apfeldicksaft, Ahornsirup, Melasse, Wildbienenhonig — hier wird der Zucker von den Vitalstoffen begleitet, die im Ausgangsprodukt stecken. Und Fruchtsaft — Bio-Apfel-, Birnen- oder Traubensaft ohne Kohlensäure — nur verdünnt, mit siebzig bis achtzig Prozent Wasser, sonst ist es zu viel Fruchtzucker auf einmal.

Wo der Zucker sich versteckt, ist der eigentliche Feind: in Fertigsaucen, Suppenpulver, Müsli-Mischungen, Fruchtjoghurt, Ketchup und in praktisch jeder Limonade. Raffinierter Zucker ist ein billiger Geschmacksverstärker, deshalb ist er überall drin. Lies das Kleingedruckte. Mit BodyReset wirst du zwangsläufig ein kritischer Konsument.

Was man mir entgegenhält

Die Ernährungswissenschaft sagt: Zucker ist Zucker. Fruchtzucker und Haushaltszucker landen im Stoffwechsel an derselben Stelle, und dass Zucker «sauer» sei, lässt sich mit dem Blut-pH nicht belegen. Entscheidend sei die Menge.

Ich sage: Süsse Früchte in Kombination mit Sahne lassen den Blutzuckerspiegel nur geringfügig ansteigen, und du bist drei bis vier Stunden satt. Raffinierter Zucker lässt ihn ansteigen und die Insulinproduktion explodieren — und dann kommt der Heisshunger. Ob man meinen Begriff «sauer im Stoffwechsel» teilt oder nicht: Den Unterschied kann jede an sich selbst beobachten.

Dein erster Schritt

Morgen früh: eine reife Birne und eine Banane, in Stücke geschnitten, vier Esslöffel Sahne darüber, ein paar Mandelsplitter. Kein Brot, kein Müsli, kein Saft. Dann schau auf die Uhr und merk dir, wann der Hunger zurückkommt. Das ist der ganze Beweis, den du brauchst.

Häufige Fragen

Sind Früchte bei BodyReset erlaubt, obwohl sie Zucker enthalten? Ja. Süsse, reife Früchte liegen unter der 15-Prozent-Grenze und sind einfache Kohlenhydrate. Sie dürfen mit Sahne oder Mandeln kombiniert werden — in den ersten 14 Tagen nur Äpfel, Birnen, Bananen, Melonen, Papaya und Feigen.

Womit soll ich süssen statt mit Zucker? Mit Birnen- oder Apfeldicksaft, Ahornsirup, Melasse oder Honig — sparsam. Wer keine Kalorien will, nimmt Erythritol. Künstliche Süssstoffe empfehle ich nicht, weil sie den Insulinreflex auslösen, ohne Zucker zu liefern.

Ist brauner Zucker gesünder als weisser? Nein. Brauner Zucker ist meist gefärbter Raffinadezucker. Nur Vollrohr-Rohzucker enthält noch Vitalstoffe.

Warum machen Light-Getränke Heisshunger? Weil «süss» im Mund für den Körper immer Zucker bedeutet. Er produziert Insulin, findet aber keinen Zucker, baut den vorhandenen ab — und der Blutzucker fällt.


Quellen: Jacky Gehring, «BodyReset – Das Erfolgsprogramm», einfache und konzentrierte Kohlenhydrate (S. 43, 46), Raffinierter Zucker: zuckersüss und trotzdem sauer (S. 50), Ein Gift, das Zucker heisst (S. 51), Süssstoffe und Heisshunger (S. 51–52), Zutaten für die Küche (S. 77), erlaubte Früchte (S. 85), Getränke (S. 78). Beilage «Die ersten vier Wochen».

Der 14-Tage-Plan mit allen Frühstücksvarianten steht im Erfolgsprogramm. Das Frühstück im Detail: Basisches Frühstück. Warum ich beim Salz genauso denke: Salz ist nicht gleich Salz. Was du trinken sollst: Richtig trinken.